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1. Passauer Höllengeister Nacht

Datum: 26.11.2012

„Von 400, die auszogen, das Fürchten zu lehren…“
Erste Passauer Höllengeisternacht in der Löwenbrauerei Passau.


Als sei wieder WM sah man am Samstag unzählige Grüppchen und ganze Menschenmassen durch die Dreiflüssestadt zum Gelände der Passauer Löwenbrauerei strömen. Doch die Höllengeisternacht, die an diesem Abend stattfinden sollte, glich weniger einem Fußballmatch, als der Darstellung der Ork-Schlachten oder eines Herr der Ringe Feldzugs.
So wurde mit Wurstsemmeln und Bier erst einmal eine Grundlage fürs Gruseln geschaffen, während die Kinder mit Punsch und Schauergeschichten eingestimmt wurden.
Dicht um die zahlreichen glühenden Heizsäulen gedrängt, oder sich am vor funkensprühenden Feuer wärmend, bereitete man sich auf die Schlacht der Höllengestalten vor, die vereinzelt schon mit rasselnden Ketten und zerfurchten Gesichtern durch die Masse schlichen. Die angestrahlte „Festung Löwenbrauerei“ jedenfalls bot eine vielversprechende Kulisse.

Mit Spannung scharren Kinder mit den Füßen, während eilende Schankwirte klappernde Bierkisten schleppen. Dank klirrender Kälte schwebt nebliger Atemdunst, bunt eingefärbt von den Diskoscheinwerfern, von den einzelnen, sich geschäftig unterhaltenden, Grüppchen auf.
Und dann geht es los: 27 Legionen (Perchtenvereine und -verbände) mit rund 460 gruseligen Kriegern, deren Mission es ist heute Nacht ist die Geister des Winters zu vertreiben, heizen dem Publikum rund zwei Stunden lang mit einer martialischen Live-Show ein.

Dämonischer Weiber, wilde Tiere, Engel und Herr der Ringe Statisten

Der Geruch verbrannten Fleisches steigt einem in die Nase, während die Höllengeister ihre aufwändig schaurig gestalteten Looks präsentieren. Dämonischer Weiber, wilde Tiere, Engel und einfach solche Gestalten die optisch in jedes Herr der Ringe Ork-Lager gepasst hätten. Glühend rote Augen, entstellte Fratzen mit verstümmelten Nasen, aufgerissenen Mündern und strähnigen Haaren. Von Feuerspuckern begleitet und mit Rammsteinmusik untermalt, ziehen die Perchten mit ebenfalls feuerballspeienden Wägen und allerlei Accessoires über den holprigen Pflastersteinweg. Wenn sie plötzlich losrennen und scheppernd gegen die Absperrung zum Publikum schlagen, oder in die Menge greifen, ist es plötzlich nicht mehr nur die Kälte, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Das Publikum weicht kurz entsetzt zurück, achterbahnerfahrene Teens kreischen hysterisch auf. Die monströsen Gestalten schaffen es nicht nur die Kinder zu fesseln – der Adrenalinpegel steht! Während die einen sich schon prophylaktisch ängstlich wegducken, wenn wieder eine neue Gruppe Geistertreiber sich nähert, kriegen andere gar nicht genug vom Nervenkitzel der durch Mark und Bein fährt. „Mei, die hab oba scho echt vei gruselig“ hört man ein paar junge Mädchen neben sich flüstern, die sich aneinanderklammern und doch gebannt Richtung Schauplatz starren. Die Perchten und Krampusse machen ihre Sache echt gut. Es bedarf jedenfalls einiger Kreativität die Horrorfilm- und Specialeffect-verwöhnte Generation so aufzumischen. Vielleicht liegt das Geheimnis aber schlichtweg im Herzblut welches die Perchten in ihre Show stecken.

Vom Satansbraten zum Höllengeist

Generationen von Kinderpsychologen könnten davon leben – im einen oder anderen Kinderzimmer jedenfalls wird in den nächsten Tagen das kleine Nachtlicht durchbrennen. Und sicher findet sich auch hier so mancher neurekrutierte Percht in spe, der diese Tradition – mit wer weiß was für neuen Showelementen- im Jahr 2030 weiterleben lässt.
Ein großes „Danke“ an die gastgebende Löwenbrauerei Passau für dieses schaurig-schöne Spektakel in der sonst oftmals so kitschüberladenen Vorweihnachtszeit.

red passau-live.de

Fotos: R.Melcak | passau-live.de
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